
Der Name "Maestrazgo" leitet sich her von "Maestre"
(Meister) und bezieht sich auf die Meister des militärisch-religiösen Ordens von Montesa aus dem 13./14. Jhdt. Weitere hier tätig werdende Orden sind die aus Calatrava, Malta und vor allem die Tempelritter, die den größten Einfluß auf die Entwicklung der Dörfer nahmen, die wir auf unseren Wanderungen im Maestrazgo berühren werden.
Der Orden entstand in Frankreich zu Beginn des 12. Jhdt., sein Name leitet sich vom Tempelberg in Jerusalem ab. Symbol war ein weißes Tuch mit rotem Kreuz, die Mitglieder lebten sehr bescheiden. Der Besitz der Ordensmitglieder ging über an den Orden. In den 200 Jahren seines Bestehens wurde der Orden zu einer der mächtigsten Bankinstitutionen der damaligen Epoche.
Macht und Reichtum der Templer waren den Herrschern der Zeit ein Dorn im Auge. König Philipp IV von Frankreich und Papst Clemens V ordnen 1307 die Gefangennahme aller Templer an. Sie werden extremer Perversionen beschuldigt, wie Kannibalismus und Hexerei. Tausende werden gefoltert und ermordet.
1314 wird in Paris der Großmeister des Ordens, Jaques de Molay, öffentlich verbrannt. Im Königreich Aragón (Spanien) widersetzten sich einige Burgdörfer wie Castellote und Cantavieja. In Portugal und England verlief die Liquidierung des Ordens weniger grausam indem die Mönche in andere Orden übertraten.
Im Maestrazgo, wo die Tempelritter eine wichtige Rolle während der christlichen Reconquista im XI und XII Jhdt. übernahmen und im Folgenden sich um den Ausbau und die Befestigung der Dörfer verdient machten, gingen all ihre Besitztümer an den Johanniter-Orden über.
Zu Beginn des 19. Jhdt. kommt es zu Erbfolgekriegen als der König von Spanien stirbt und keinen gültigen Thronfolger hinterlässt sondern nur eine Tochter. Der Bruder des Königs, Don Carlos, reklamiert den Thron für sich. Aber 1833 wird die nur 7-jährige Isabel zur Königin ernannt. Daraufhin erheben sich die Anhänger von Don Carlos und es beginnt eine Serie von 3 Kriegen.
Der Aufstand nährt sich im Maestrazgo auch durch die Unzufriedenheit mit den sozialen Umständen: Armut, hohe Abgabenlast, zwangsweise Durchsetzung der Militärpflicht.
Zwischen 1833 und 1840 folgen mehrere kriegerische Episoden unter dem Carlisten-General Ramón Cabrera, dem „Tiger vom Maestrazgo“. Orte wie Cantavieja, Mirambel, Castellote und Villarluengo erleben blutige Schlachten.
Von 1848 bis 1854 erlebt die Region die Schrecken des 2. Carlistenkrieges und schließlich 1875 den Ausbruch des 3. Krieges. Aber 1875 wird die Region von 100.000 Soldaten umstellt und den Aufständen definitv ein Ende bereitet. Einige friedliche Jahre im Maestrazgo folgen.
Ab spätestens 1929 ist die soziale und politische Situation Spaniens von starker Unruhe ergriffen, ausgelöst durch die schwere Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und permanent instabile politische Verhältnisse. In den Dörfern des Maestrazgo vertiefen sich die bestehenden Klassenunterschiede weiter: Wohlhabenden Landbesitzern stehen Tagelöhner und Arbeitslose gegenüber.
Eine neue, linke Bündnisregierung im Frühjahr 1936 bedrängt die wohlhabenden Landbesitzer, das Militär und den Klerus und ermutigt die untere soziale Schicht (die große Mehrheit der Bevölkerung) Reformen in Angriff zu nehmen. Erste Konflikte reißen auf.
Im Julio 1936 erhebt sich das Militär unter General Franco gegen die republikanische Regierung. Den Dörfern im Maestrazgo eilen Anarchisten und Republikaner aus anderen Teilen Aragóns und Kataloniens zu Hilfe. Mitglieder der Katholischen Kirche werden verfolgt, Genossenschaften gegründet und Landbesitz konfisziert. Die soziale Spaltung schreitet voran, die Gelegenheit zur Begleichung alter Rechnungen wird wahrgenommen.
1938 wendet sich das Blatt im Maestrazgo und faschistische Truppen setzen eine neue Ordnung ein. Wer bisher keine Partei ergriffen hatte, sieht sich gezwungen dies nun zu tun, wer sich der Reformseite verschrieben hatte wird gefangen genommen, flieht nach Frankreich oder versteckt sich in den Bergen.
1939 endet der spanische Bürgerkrieg mit dem Sieg der Franco-Diktatur, die bis 1975 das Land beherrscht.
Ab 1944 bildet sich von Frankreich aus eine guerrillaähnliche Widerstandsbewegung aus geflohenen Republikanern, Flüchtlingen im Untergrund und all denen, die in dieser Form des Widerstandes eine neue Chance sehen. Diese Bewegung wird "Maquis" genannt und entstammt dem gleichen Wortstamm wie "Macchia oder maquia" womit die mediterrane, gebüschreiche Vegetation bezeichnet wird.
Wieder werden Racheakte ausgeführt und Unsicherheit herrscht. Die reliefreiche und dünn besiedelte Landschaft des Maestrazgo ist ideal für den Widerstand aus der Fläche heraus. Aufgrund der Unterstützung durch die Familien und die gute Geländekenntnis kann sich die Bewegung bis 1948 halten.
Ab dann greift die Guardia Civil rigoros durch, errichtet Stützpunkte in den Dörfern, zwingt alle Landarbeiter jeden Abend ins Dorf zurückzukehren, überwacht Verdächtige und verhängt Gefängnisstrafen. Spätestens 1950 sind die "Maquis" aus den Bergen verschwunden.